Digitale Teilhabe 65 plus

Beobachtungen, Gedanken, Fragen und Tipps
zur Überwindung der Alterslücke bei der Nutzung von digitalen Medien

Portrait: Herbert Kubicek
Prof. Dr. Herbert Kubicek
Jahrgang 1946
Über mich
09.04.2022

(K)Ein Überblick: Wie können Senior:innen Erfahrungs- und Lernorte finden?

Screenshot der  Angaben zu einem  Zugangs- und Erfahrungsort aus der
 Datenbank der Stiftung Digitale Chancen

Am 7. April hat die Stiftung Digitale Chancen aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens zu einem Digitalen Roundtable „Digitale Teilhabe älterer Menschen und die Alterslücke“ eingeladen und mit rund 30 Expertinnen und Experten beraten, was noch zu tun ist, um die Alterslücke weiter zu schließen und mehrere Millionen ältere Menschen, die Offliner oder Minimal-Onliner sind, zu erreichen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass bereits viel erreicht worden ist, es ein breites Spektrum an Unterstützungsangeboten gibt, dass aber die Angebote inhaltlich noch weiter differenziert und qualitativ ebenso wie quantitativ ausgebaut werden sollten.

Auch die Kommission für den Achten Altersbericht geht von einem solchen Fortschritt aus und schreibt:

"Das Spektrum der Angebote zur Unterstützung älterer Menschen und ihrer Bezugspersonen bei der Aneignung und Anwendung digitaler Technologien hat sich in den letzten 25 Jahren enorm erweitert und ausdifferenziert. Insbesondere konnte sich – oft mit staatlicher Förderung – eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten etablieren, die dem Wunsch älterer Menschen nach informell-selbstbestimmten und lebensweltlich orientierten Lernräumen entgegenkommen und besonderen Wert auf die Berücksichtigung der je spezifischen biografischen, sozialen, kognitiven, sensorischen und emotional-motivationalen Besonderheiten der anvisierten Zielgruppe legen.

Das stimmt in dieser Allgemeinheit. Aber vor 20 Jahren hatte man einen besseren Überblick über die damaligen Angebote und konnte mit Hilfe einer Datenbank online oder per Telefon aus einem Bestand von 7.000 Einrichtungen und Angeboten im gesamten Bundesgebiet über die Eingabe der Postleitzahl die nächstgelegenen Internetzugangs- und Lernorte finden und nach den detaillierten Angaben das passende Angebot auswählen. Diese Datenbank wurde 2001 in einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt „Netzwerk Digitale Chancen“ an der Universität Bremen mit dem Onlineanbieter AOL Deutschland in systematischen Recherchen aufgebaut und wurde zum Grundstein für die Arbeit der Stiftung Digitale Chancen.

Inzwischen sind neben dem Zugang zum Internet immer häufiger Lern- und Unterstützungsangebote für spezifische Nutzungen gefragt. Aber es gibt keinen vollständigen Überblick, welche Angebote wo von wem mit welchen Inhalten für welche Teilgruppe älterer Menschen aktuell existieren. Wenn man nicht weiß, was es gibt und wo weiße Flecken sind, kann man nicht gezielt fördern. Und wenn Angebote gefördert werden, sollte auch dafür gesorgt werden, dass sie von denen gefunden werden können, für die sie gedacht sind. Eine einfache Google-Suche bietet Seniorinnen und Senioren, die ein Schnupperangebot oder Hilfe bei einem konkreten Problem mit ihrem Smartphone suchen, keine Treffer in ihrer Nähe. Ich habe es einmal für Bremen mit verschiedenen Suchbegriffen versucht, bekam auf der ersten Seite keine oder nur wenige passende und jedes Mal andere Treffer zwischen Vielem, was nicht passt, und weit weniger als mir aus meinem lokalen Wissen bekannt ist.

Einen aktuelleren Überblick Wer unterstütz wo? hat der Digital-Kompass im November 2020 erstellt. Dabei handelt es sich um eine Übersicht über Fördermaßnahmen des Bundes und der Länder, in der auch mehrere Programme enthalten sind, die Erfahrungs- und Lernorte fördern und die geförderte Angebote auf Landkarten oder in Galerien anzeigen.

Ich habe diese Angebote gezählt:

Interneterfahrungsorte aus verschiedenen Programmen (April 2022)
BundesweitDigital Kompass Standorte100
DigitalPakt Alter Erfahrungsorte150
Digitaltag 2021 Projekte für den Publikumspreis (nicht nur für Senior:innen)100
Baden-WürttembergNetzwerk SII (Initiativen)ca. 50
BayernMehrgenerationenhäuserzurzeit 30
BremenNetzwerk Digitalambulanzen25
HessenDi@Lotsen Stützpunktezurzeit 7
Rheinland-PfalzStandorte mit Digitalbotschafter:innen80
Schleswig HolsteinDigitale Knotenpunktezurzeit 14
ThüringenStandorte mit Medienmentor:innen21

Ohne Zweifel gibt es mehr. Die Datenbank der Stiftung verzeichnet immer noch knapp 2.000 Einrichtungen, die sich an Senior*innen wenden, sowie weitere rd. 1.500, die sich an die Allgemeinheit richten. Diese Daten sind ach Postleitzahlen bundesweit verfügbar, bedürfen aber einer Aktualisierung im Hinblick auf Angebote der Medienkompetenzvermittlung mit neuen Geräten und neuen Anwendungen..

Wenn die guten Angebote auch gut gefunden werden sollen, müssen die Anbieter sie in entsprechende Verzeichnisse eintragen und die Förderer neben ihren eigenen Übersichten auch auf diese Suche hinweisen. Denn in den eigenen Listen und Galerien kann bisher nicht nach Postleitzahlen das nächstgelegene Angebot gefunden werden.

Der erste Schritt könnte sein, dass die für die genannten Programme zuständigen Stellen die geförderten Einrichtungen bitten, sich in die Datenbank der Stiftung einzutragen. Aber auch wenn Sie eine Einrichtung kennen, können Sie diese darauf hinweisen, so dass wir mit einer Crowd Sourcing Strategie zu mehr Transparenz, einer besseren Nutzung der vorhandenen Angebote und so auch zu einer Verringerung der Alterslücke beitragen..

Nutzen Sie dafür das Eingabeformular

Weitere Infos: Angebotsübersichten.pdf

Ansehen

26.06.2022
In HAMBURG gibt es seit März 2022 ein Förderprogramm für Digitalisierungsmaßnahmen in Senior:innenbegegnungsstätten, mit dem sowohl Technikausstattung als auch die Durchführung von Schulungs- und Beratungsangeboten und Öffentlichkeitsarbeit als einmalige Anschubfinanzierung gefördert werden können.
27.05.2022
Dritte Auflage der Broschüre PC- und Internettreffs für ältere Menschen in Rheinland-Pfalz: In der Übersicht fehlt eine Aufstellung aus Rheinland-Pfalz. Das Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) der Universität Mainz hat eine neue Auflage der Broschüre mit inzwischen 110 wohnortnahen Beratungs- und Schulungsangeboten zusammengestellt, die digitale Teilhabe älterer Menschen in Rheinland-Pfalz fördern. Sie ist alphabetisch nach Landkreisen und kreisfreien Städten gegliedert. Angegeben werden Name des Angebots und der Einrichtung, Format und Themen des Angebots u.a.m.

Eine Datenbank würde zwar gezieltere Suchmöglichkeiten bieten. Aber in einem pdf kann man auch suchen.