Digitale Teilhabe 65 plus

Beobachtungen, Gedanken, Fragen und Tipps
zur Überwindung der Alterslücke bei der Nutzung von digitalen Medien

Portrait: Herbert Kubicek
Prof. Dr. Herbert Kubicek
Jahrgang 1946
Über mich
12.09.2022

Doch ein Anspruch auf analogen Zugang ? Sparkassenbus oder Telefon als Ersatz für geschlossene Filialen

Zeichnung von einem roten Bus mit aufgeklappten Türen zu einem Bankschalter, Sparkasse Köln-Bonn  mit Auszug aus dem FahrplanBildquelle Sparkasse Köln-Bonn

Sparkassenbus als analoge Alternative zum Online-Banking

In meinem Beitrag vom 17.6. "Ein Leben ohne Internet" habe ich die Forderung nach einem Recht auf Erhalt aller analogen Zugänge zu Dienstleistungen der Daseinsvorsorge als unrealistisch beurteilt und stattdessen speziell für ältere Menschen eine Unterstützung bei der digitalen Erledigung gefordert. Heute ist ein Interview mit mir bei buten und binnen zum Thema Online-Banking und ältere Menschen erschienen. Darin schließe ich mich der in den vergangenen Monaten in der Bremischen Bürgerschaft und von mehreren Ortsbeiräten erhobenen Forderung an, die Sparkasse Bremen solle wie andere Sparkassen einen Bus als mobile Filiale einsetzen.

Die Sparkasse Bremen sieht keinen Anlass

Dem entsprechenden Bericht des WK vom 4.5.22 ist zu entnehmen, dass die Sparkasse Bremen diese Forderung ablehnt. Ihre Sprecherin verweist darauf dass es ein dichtes Filialnetz gebe, Kontoauszüge nach Hause geschickt werden können, es einen kostenpflichtigen Bargeldbringdienst gibt, außerdem könne man "nahezu alle Fragen rund um Ihr Geld telefonisch klären." Nicht erwähnt wird, dass bei Bedarf jemand nach Hause kommt und Online-Banking einrichtet und bei Problemen hilft - wie ich es vorgeschlagen habe. Allerdings habe nicht nicht erwartet, dass dafür 45 Euro von Kundinnen oder Kunden verlangt werden, die aus gesundheitlichen Gründen weder zu einer entfernten Filiale gehen können, noch sich das Online-Banking zutrauen.

Filialschliessungen nehmen seit langem zu

Dass das Filialnetz in Bremen nicht dicht ist, weiß inzwischen jeder. Auf der Web-Seite der Sparkasse wird auch eingeräumt: "Veränderte Rahmenbedingungen machen eine Anpassung der Filialstruktur notwendig." Das gilt bundesweit. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben die Sparkassen in Deutschland von 2009 bis 2021 die Anzahl der Filialen von 13.266 auf 7.732 reduziert. Das heißt: Fast jede zweite Filiale wurde seitdem geschlossen oder in eine SB-Servicestelle umgewandelt. Dem jährlichen Bankstellenbericht der Bundesbank ist zu entnehmen, dass dieser Trend für alle Arten von Geldinstituten gilt:

"Insgesamt reduzierte sich im Verlauf seit 2001 allein das Filialnetz der deutschen Großbanken (einschließlich Stellen der ehemaligen Postbank) um über 11.100 Stellen auf nunmehr nur noch knapp mehr als ein Viertel des damaligen Bestands sowie das des Sparkassensektors um mehr als 9.300 Filialen auf nur noch gut 45 % des damaligen Bestands und das des Kreditgenossenschaftsbereichs um fast 7.300 Zweigstellen auf nur noch etwa die Hälfte des damaligen Bestands" ( S.9). Von Nahversorgung kann keine Rede mehr sein.

Andere Sparkassen reagieren und setzen Busse ein

Die Forderung nach einem mobilen Ersatz mit gleichwertigem Kontakt zu bekannten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entspricht insbesondere dem Bedarf älterer Menschen, deren Anteil noch weiter steigen wird. Sparkassenbusse gibt es daher nicht nur im ländlichen Raum. Ich habe bei Google "Sparkassenbus mobil" eingegeben und mir Bilder anzeigen lassen. Da sieht man unterschiedliche rote Busse der Sparkassen in Aachen, Darmstadt, Düsseldorf, Duisburg , Köln-Bonn, Krefeld, Recklinghausen - eine auffällige Häufung in NRW!.

Die Bürgerschaft und die Ortsbeiräte haben den Senat aufgefordert, mit der Sparkasse über eine mobile Filiale zu verhandeln. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt. Anders als in NRW und anderen Bundesländern hat die Stadtgemeinde Bremen keine Anteile an der Sparkasse. Wenn es keinen rechtlichen Anspruch gibt, kann man es politisch versuchen.

Chance für Wettbewerber

In der Marktwirtschaft soll der Wettbewerb Versorgungslücken schließen. In Paderborn, Stuttgart und anderen Städten hat auch die Volksbank einen Bus eingesetzt. Warum also nur an die Sparkasse appellieren? Vielleicht sieht ein Wettbewerber eine Chance, bisherige Kundinnen und Kunden der Sparkasse mit einem solchen zusätzlichen Angebot zu gewinnen.

Telefonbanking als weitere analoge Alternative

Für diejenigen, die technische Probleme mit dem Online-Banking haben, ist das Telefonbanking noch bequemer als ein Bus, den man ja auch ggfs. mit dem Rollator aufsuchen muss. Die von der Sprecherin der Sparkasse erwähnte Telefonnummer ist die der Hotline, die bei Problemen helfen soll und Auskünfte erteilt. Wenn man dort anruft, sind immer alle beschäftigt und man soll einen Rückruf buchen. Bei meiner Postbank ist das Telefonbanking anders. Ich habe eine spezielle Telefon PIN, rufe dort an, gebe meine Kontonummer und die PIN an, bekomme sofort die Ansage mit meinem Kontostand und kann mich mit einem Berater bzw. einer Beraterin verbinden lassen und zum Beispiel die Daten für ein Überweisung angeben und andere Transaktionen beauftragen.

Das kann ich nur empfehlen. Die Sparkasse wäre gut beraten, ein benutzerfreundliches und jederzeit verfügbares Telefonbanking einzuführen.

Weitere Infos: bankstellenbericht-2021.pdf

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