Digitale Teilhabe 65 plus

Beobachtungen, Gedanken, Fragen und Tipps
zur Überwindung der Alterslücke bei der Nutzung von digitalen Medien

Portrait: Herbert Kubicek
Prof. Dr. Herbert Kubicek
Jahrgang 1946
Über mich
Thema heute:

„Digitale Agenda ohne Ältere? Wege zu einer Digitalpolitik für alle“ - Empfehlungen des Fachbeirat Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen (DigiBäM) beim BMBFSFJ

Erst jetzt bin ich auf Handlungsempfehlungen des Fachbeirat Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen (DigiBäM) beim BMBFSFJ aufmerksam geworden. Der Beirat begleitet die Maßnahmen des Familien- und Seniorenministeriums zu Fragen Digitaler Kompetenzen seit fast zehn Jahren. Ein halbes Jahr nach der Regierungsbildung hat er im November 2025 ein Fachgespräch organisiert und als Ergebnis im März ein Empfehlungspapier für Bund, Länder und Kommunen verabschiedet. Ich kann allen Punkten zustimmen. Aber es sind zu viele Punkte und zu viele Adressaten. Ich hätte mir gewünscht, dass ein Beirat bei einem einzelnen Ministerium zumindest nach dem großen Bild auch sagt, was er speziell von diesem Ministerium in diesem Zusammenhang erwartet.

Sieben Handlungsfelder

Einleitend heißt es: "Noch immer sind geschätzt fünf Millionen ältere Menschen (60+) in Deutschland offline. Der Mehrheit der über 60-Jährigen fehlen ausreichend digitale Kompetenzen. In besonderem Maße – so zeigen einschlägige Studien zur digitalen Teilhabe älterer Menschen – sind zudem ältere Menschen mit Migrationserfahrung einem digitalen Exklusionsrisiko ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund formuliert der Fachbeirat Digitalisierung und Bildung älterer Menschen (DigiBäM) folgende Empfehlungen für eine Digitalpolitik auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, die ältere Menschen einbezieht. " Diese Empfehlungen sind in sieben Abschnitte gegliedert:

Ich will die Empfehlungen hier nicht Punkt für Punkt kommentieren. Vielem stimme ich uneingeschränkt zu, begrüße die Empfehlung Maßnahmen zu evaluieren sehr, bin in Bezug auf "Mehr Partizipation in Gestaltungsprozessen" angesichts der am meisten genutzten Anwendungen wie Google und Whats App und der Erfahrungen mit den Digitallaboren im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes skeptisch und finde den Abschnitt über "Klar geregelte Zuständigkeiten und Strukturen der Zusammenarbeit etablieren" mit zehn Zeilen zu kurz und unbestimmt. Hier hätte speziell die Verteilung der Zuständigkeiten zwischen dem BMBFSFJ und BMDS angesprochen werden sollen und die Zusammenarbeit mit den Ländern auf dem Gebiet der Digitalen Bildung für ältere Menschen in Bezug auf einen echten DigitalPakt Alter, wie er für die Schulen mit dem DigitalPakt Bildung von Bund und Ländern besteht.

Nationale Digitale Kompetenzoffensive

Konkret möchte ich nur auf die in Punkt 5 erwähnte „altersübergreifende digitale Kompetenzoffensive“ aus dem Koalitionsvertrag (S. 69;) eingehen. Diese wird begrüßt. An ihrer Planung sollen nicht nur die verschiedenen Ministerien sondern auch weitere Akteure aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft teilnehmen. Aber wie ist der Planungsstand in dem Ministerium, das der Beirat berät. und wer hat die Federführung? Etwas verblüfft hat mich die Aussage des zuständigen Abteilungsleiters auf dem eingangs erwähnten Fachgespräch. In der Zusammenfassung heißt es:

"Jürgen Müller berichtete von der „Abteilung G“ im BMBFSFJ, die in der Konstellation erst jüngst zusammenfand und – neben vielfältigen anderen Themenbereichen – nun auch den Bereich „Digitalisierung“ umfasst. Eine Digitalstrategie sieht er „fluide und iterativ“ angelegt: Es gehe darum, einzelne Maßnahmen verschiedener Ressorts zu sammeln, miteinander zu verzahnen, anzupassen und zu verbessern, wenn etwas nicht funktioniert. Für grundlegend wichtig hält er dabei, der thematischen Versäulung entgegenzuwirken und einen ganzheitli- chen Kooperationsansatz verschiedener Bereiche. Für eine erfolgreiche Strategie zur Stär- kung digitaler Teilhabe müssen alle gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure an einen Tisch geholt werden, zumal es auch hier um gesellschaftlichen Zusammenhalt und das erodierende Vertrauen in den Staat gehe. Vor diesem Hintergrund lud er die Teilnehmenden der Veran- staltung direkt ein, sich an der derzeit in der Konzeptionsphase befindlichen „altersübergrei- fenden digitalen Kompetenzoffensive“ zu beteiligen."

Da hätte man mal nachfragen sollen, für wann und wo diese Einladung gilt.