Digitale Teilhabe 65 plus

Beobachtungen, Gedanken, Fragen und Tipps
zur Überwindung der Alterslücke bei der Nutzung von digitalen Medien

Portrait: Herbert Kubicek
Prof. Dr. Herbert Kubicek
Jahrgang 1946
Über mich
Thema heute:

Bargeldannahmepflicht in Schweden -Neue Argumente gegen Filialschließungen

Schweden beschließt gesetzliche Pflicht zur Annahme von Bargeld

Vielleicht haben Sie es in den Nachrichten gehört oder irgendwo gelesen: Seit dem 1. Juli 2026 müssen Lebensmittelgeschäfte und Apotheken in Schweden mindestens eine Kasse haben, an der mit Bargeld bezahlt werden kann. Das ist eine erstaunliche Kehrtwende in der Zahlungsmittelpolitik des Landes, von dem viele erwartet haben, dass Bargeld demnächst komplett abgeschafft werden soll. Die schwedische Regierung reagiert mit dem neuen Bargeldgesetz auf den starken Rückgang der Bargeldnutzung, den Abbau von Bankfilialen und Geldautomaten, die zunehmende Digitalisierung des Zahlungsverkehrs und neue Anforderungen an die zivile Krisenvorsorge und Resilienz. Nicht zuletzt der Angriffskrieg auf die Ukraine und hybride Angriffe auf Infrastrukturen haben zu der Erkenntnis geführt, das in einer bargeldlosen Gesellschaft die Grundversorgung bedroht wäre und der Markt alleine vkeine hinreichende Aufrechterhaltung einer Bargeldinfrastruktur gewährleistet.

Eine Expertenkommission hat mit der Beschränkung auf den Bargeldkauf von Lebens- und Arzneimitteln den gesetzlichen Eingriff in die Gewerbefreiheit minimiert und einen tragbaren Kompromiss geschaffen.

Neue Argumente gegen Filialschließungen

Die Kommission hatte auch vorgeschlagen, die Banken zu verpflichten, für einen funktionierenden Bargeldkreislauf zu sorgen. Die Annahmepflicht von Bargeld in den genannten Bereichen kann nur funktionieren, wenn Banken in der Fläche Bargeld annehmen und ausgeben. Das heißt, dass die Ausdünnung des Filialnetzes nicht nur Probleme der Inklusion älterer Menschen erzeugt, die in dem Bericht explizit angesprochen werden, sondern jetzt auch die Verletzlichkeit der gesamten Gesellschaft erhöht. Ein dichtes Filialnetz ist auch aus Gründen des Katastrophenschutzes und der Cyberabwehr erforderlich!

Eine Hintergrundanalyse mit Chat GBPT

Als ich die Nachricht am Mittwoch im Radio gehört habe, habe ich mich bei Chat GPT nach Details erkundigt und das System hat mir die Ausarbeitung einer Hintergrundanalyse angeboten, zunächst mit wissenschaftlichem Anspruch und Fußnoten, dann in Form einer Broschüre mit Abbildungen. Ich habe die Angebote angenommen, aber immer nur Gliederungen und neue Angebote erhalten, bis sich herausstellte, dass im Chat gar keine größeren Dokumente erstellt werden können. Man kann nur kurze Kapitel oder Abschnitte anfordern, die man dann selbst zusammenbauen musss.

Das habe ich getan und als Ergebnis ein Dokument von 37 Seiten und eine Kurzfassung mit vielen Abbildungen von 12 Seite erhalten. Da die zugrundeliegenden Berichte und Gesetzestexte nur in Schwedisch vorliegen, kann ich die Aussagen nicht an den Originalquellen überprüfen. Aber die Darstellung des Umdenkungsprozesses auf der Basis eines Berichts der Reichsbank und einer Expertenkommission und des Gesetzgebungsprozesses und auch der Vergleich mit Deutschland erscheinen mir so plausibel, dass ich beide Dokumente mit diesem Vorbehalt weitergeben möchte. Die Langfasssung hat aufgrund des Zusammenbaus aus vielen Abschnitten einige Redundanzen, aber manche Argumente sind so wichtig, dass man sie auch zwei Mal lesen kann, um sie sich zu merken.

Deutschland kann von Schweden lernen

Wir können sowohl von dem Kompromiss bei der gesetzlichen Annahmepflicht von den Schweden lernen als auch bei der Neubewertung des Bargeldkreislaufs im Katastrophenfall. Ganz neu ist die Erkenntnis der Verletzlichkeit der digitalen Zahlungsmittel bei uns nicht. Auf meine Frage, was die Deutsche Bundesbank zu dem Bericht der schwedischen Reichsbank und der schwedischen Expertenkommission sowie dem verabschiedeten Gesetz sagt, schreibt Chat GPT:

Die Bundesbank und Schweden – ähnliche Analyse, unterschiedliche Konsequenzen
Die Deutsche Bundesbank hat sich bislang nicht öffentlich zur schwedischen Kontantutredningen oder zum Bargeldgesetz 2026 geäußert. In ihrem Monatsbericht "Bargeld in der deutschen Gesellschaft – ein aktuelles Meinungsbild“ (2025) beschreibt sie jedoch ähnliche Herausforderungen: den sich selbst verstärkenden Rückgang der Bargeldnutzung, die Bedeutung von Bargeld für die Resilienz des Zahlungsverkehrs sowie seine Funktion für gesellschaftliche Teilhabe und technische Ausfallsicherheit. Während Schweden daraus gesetzgeberische Konsequenzen gezogen hat, beschränkt sich die Bundesbank bislang auf die Analyse dieser Entwicklungen."

Der erwähnte Bericht beinahltet auch die Ergebnisse einer Bevölkerungsumfrage zur Bedeutung von Bargeld. Auch sie liefert gute Argumente gegen Filialschließungen.